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Veranstaltungen im Wintersemester 2007/2008:
 

Gastdozentur an der 

Ben Gurion Universität in Beer-Sheva/Israel
 

Department of Bible, Archaeology 
and Ancient Near Eastern Studies

Tel.:     ++972 – (0) 8 – 6461772

Email:  ostmeyer@bgu.ac.il 

Ben-Gurion University of the Negev
P.O.B. 653
Beer-Sheva 84105
Israel

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Vorlesungen, Seminare und Übungen vorangegangener Semester 
in Göttingen, Marburg und Leipzig: 

Siehe Seitenende

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Projekt: Anthologie

Deutsche Gedichte wider Judenhass und Antisemitismus 
Einzelne Texte sende ich auf Anfrage gerne zu (als Email-Datei). Über Hinweise auf wenig bekannte Lyrik zum Thema freue ich mich. 
Für Interpretationen und Besprechungen von Gedichten steht das Diskussionsforum zur Verfügung. Aus Copyright-Gründen muss auf die Internetveröffentlichung der meisten Gedichte verzichtet werden. 
 
 

Gedicht des Monats

Mai 2008

Ernst Stadler (1883 – 1914)

Judenviertel in London

Dicht an den Glanz der Plätze fressen sich und wühlen
Die Winkelgassen, wüst in sich verbissen,
Wie Narben klaffend in das nackte Fleisch der Häuser eingerissen
Und angefüllt mit Kehricht, den die schmutzigen Gossen überspülen.

Die vollgestopften Läden drängen sich ins Freie.
Auf langen Tischen staut sich Plunder wirr zusam-men:
Kattun und Kleider, Fische, Früchte, Fleisch, in ekler Reihe
Verstapelt und bespritzt mit gelben Naphthaflammen.

Gestank von faulem Fleisch und Fischen klebt an Wänden.
Süßlicher Brodem tränkt die Luft, die leise nachtet.
Ein altes Weib scharrt Abfall ein mit gierigen Händen
Ein blinder Bettler plärrt ein Lied, das keiner achtet.

Man sitzt vor Türen, drückt sich um die Karren.
Zerlumpte Kinder kreischen über dürftigem Spiele.
Ein Grammophon quäkt auf, zerbrochne Weiberstimmen knarren,
Und fern erdröhnt die Stadt im Donner der Automobile.
 

April 2008

Ernst Lissauer (1882 – 1937)

Zweier Völker Last

O Volk, mein Volk! Welch Volk ist denn nun mein?
Wie eine Kiepe voll Geschichts-Gestein
Schleppe ich zweier Völker Last.
Dem Deutschen Jude, deutsch getarnt,
Dem Juden deutsch, treulos an Israel –
Hört ihr die Klapper, welche weithin warnt?

Aussätzig von der beiden Völker Fehl!
Dumpf um mich bläst Jahrtausendwind,
Ich kauere hoch am wilden Zeitenpaß
Und kratze mir den grauen Grind
Der Weltgeschichte, siech von Völkerhaß.
 

März 2008

Karl Stelter (1823-1912)

Antisemiten

Antisemiten sind nur entstanden
Aus Konkurrenten und Schuldenmachern,
Die, weil sie keinen Kredit mehr fanden,
Wurden zu Judenwidersachern.
Wer nie nach der Decke sich hat gestreckt,
Der hat  s e i n   Verschulden im  J u d e n   entdeckt.
 
 
 

Februar 2008

Otto Richardt Schmidt-Cabanis (1838-1903)

Die Sonne bleibt.

Welch´ein Knäuel menschlichen Elends rollt
Dort auf unsere friedliche Flur heran?!
Welche Lawine von Elend wälzt sich
Unseren blühenden Gauen zu ?!
Weinende Kinder,
Der sorgenden Mutterhut 
Jach entrissen;
Schwache Matronen, des stützenden Stabes bar;
Männer, zu Greisen darniedergedrückt
Durch die bleierne Wucht der Noth;
Weiber, das Haar zerrauft
Und die Brüste zerfleischt,
Mit den stieren, zährenzerfressenen
Augen vergeblich
Nach der Spur ihrer Söhne suchend!
Sagt, wer seid Ihr, Unselige?
Redet, welch´ Schreckniß hat Euch betroffen?!
Hat die brandende Fluth
Eure Aecker ertränkt?
Hat der brausende Sturm
Eure Hütten zerstört?
Hat des Feuers glutfauchender Odem
Euer Erbe zu Asche versengt?
Hat der berstende Leib der Erde
Gierig verschlungen Euch Gut und Hab´?! –  – 
–  „Wehe, was forschest Du?
Weh´, warum fragst Du ? 
Nimmer der Elemente Haß
Kann so grausamen Spruch vollzieh´n:
B l i n d  zerstören sie,
B l i n d  vernichten sie
M i t ihren O p f e r n  s i ch  s e l b st  zugleich!
S e h e n d e n  Auges vermag nur der M e n s ch
 So gegen S e i n e s g l e i ch e n  zu wüthen!“ –  – 
– Dann hat des Krieges höllische Geißel
Also von Haus und Hof Euch vertrieben, 
Hat Euch verjagt aus dem wohnlichen Heim,
Hat Euch rechtlos und mundtodt gemacht ?!
Aber wie ist mir? – ich mein, es ruht ja 
Rings in der Scheide das scharfe Schwert;
Nirgend umher in den Landen loht
Jenes Dämons furchtbare Fackel, 
Deren Flamme allein
Fließendes Menschenblut löscht ?! –  – 
– „Nicht hat der Krieg, der Völker Verderben, 
Uns in die Fremde hinausgetrieben, 
Nicht uns´re Hütten ein G e g n e r  zerstört!
B r ü d e r sind dieses Unheils Erzeuger,
Sprossen der eigenen Scholle haben
Uns der bleibenden Stätte beraubt,
Haben das Kind von der Mutterbrust,
Haben das Weib vom Gatten gerissen;
In die Oede, in Hunger und Elend
Wandern wir auf des Landesvaters, 
Auf des eigenen Herrschers Geheiß!“ –  – 
– Und warum?
Was habt Ihr verbrochen ? 
Habt Ihr „ihn“, den Gesalbten, geschmäht?
Habt Ihr das Reich dem Feinde verrathen?
Habt Ihr verletzt das heil´ge Gesetz?
Welchen unaussprechlichen Freveln
Droht solche Sühne – um Gotteswillen?! –  – 
– „Wehe, Du sagst es: um G o t t e s  willen 
Sind wir geworden wie Du uns siehst!
Weil wir den Einen Gott, den alleinigen,
Ihn, den Schöpfer von Himmel und Erde,
U n s e r n  Gott und E u r e n  und  i h r e n,
Etwas anders als sie bekennen,
In etwas andern Lauten ihn loben,
In etwas andrer Form zu ihm beten,
D a r u m  haben sie  D a s  uns gethan! –  – 
– D a r u m ?  N u r   d a r u m ?
So wird G o t t  Euch retten,
Der der Seinen nimmer vergißt! –  –
– „G o t t  soll uns helfen?!
Er hat geschaut die Schmach,
Er hat geduldet die That –
G o t t  hat uns v e r l a s s e n !
Was können wir gegen sein Gebot?
Uns bleibt ein Weg nur:
Verzweifeln und sterben!“ –  – 
– Nimmer, Ihr Dulder, sei dies das Ende!
Auf zu den Wolken hebet den Blick;
Wie diese dunklen, flücht´gen, zerreißen: 
Schwindet das Unheil, das Menschen uns schaffen;
Wie vor des Windes Wehen sie weichen,
Schwindet das Dräuen der  E r d e n g ö t t e r!
Aber die  S o n n e  bleibt,
Aber die Sonne strahlt
Leuchtend herab vom ewigen Himmel;
Und so strahlt Euch das Auge des Einen,
Wahren, Ewigen Unerforschlichen!
Habt Ihr  g e g l a u b t  ihn, so h o f f t  auch auf ihn,
Der Euch wird  l i e b e n d  gen Kanaan führen!
G l a u b e,  H o f f n u n g  und L i e b e, die drei 
Boten des mächtigen Herrschers der Welten,
Sind Euch geblieben in Kummer und Noth!
Fest auf des G l a u b e n s  Fels
Wurzle der Hütte Grund,
Die Ihr auf freier Erde Euch werdet
Neu erbauen mit neuer Kraft;
H o f f n u n g,  des hehren,
Ernsten Bruders mildere Schwester,
Trockne die Zähren Euch von der Wange;
Aber die L i e b e,  die stärkste von ihnen,
Reicht Euch von Herzen die Hand,
Führt Euch den dornigen Pfad . . . . . . .
Faßt ihre Rechte; sie stützt Euch, sie trägt Euch;
W i r   h e l f e n 
A l l e  Euch um der L i e b e  willen!
 

Januar 2008

Heinrich Heine (1797  – 1856)

Einem Abtrünnigen

O des heil’gen Jugendmutes!
O, wie schnell bist du gebändigt!
Und du hast dich kühlern Blutes
Mit den lieben Herrn verständigt.

Und du bist zu Kreuz gekrochen,
Zu dem Kreuz, das du verachtest,
Das du noch vor wenig Wochen
In den Staub zu treten dachtest!

O, das tut das viele Lesen
Jener Schlegel, Haller, Burke – 
Gestern noch ein Held gewesen,
Ist man heute schon ein Schurke.
 

Dezember 2007

Ada Christen, (Pseud. für Chrstiane von Breden; 1844 - 1901)

Auf dem alten jüdischen Friedhof zu Prag

Sinnend stand ich bei dem Grabe
Rabbi Löws, des jüdischen Weisen,
Hörte wie im Traum den Führer
Seinen toten Ahnherrn preisen.

Und warum, so frug ich staunen,
All die Juden, groß’ und kleine,
Auf das Grab mit leisem Murmeln
Werfen bunte Kieselsteine?

Und es wurde mir die Antwort:
„Um zu ehren, ist geboten,
Daß wir Blumen streun Lebend’gen,
Steine auf das Grab den Toten.“

Von solch heidnischem Gebrauche
Sind wir Christen längst gereinigt,
Wir bekränzen stets die Gräber
Jener, welche wir gesteinigt.
 

November 2007

Adolph Donath (1876 – 1937)

War ein Jude und ein Krüppel,
Und sie peitschten ihn hinaus...
Draußen wüteten die Donner,
Und es sprach der Gott der Rache:

„Sieh, du Schöpfung meiner Hände,
Meine Donner schenke ich dir,
Daß sie deine Feinde schlagen;
Denn dein Herz ist eine Träne!“ - -

Und es zitterten die Wolken,
Und der krumme Jude bebte
Und er schrie: „Du Gott der Liebe,
Gib mir meine alte Erde!...“

Da zerteilten sich die Wolken,
Alte Sonnen kamen wieder,
Und die weißen Engel sangen
Judas Zukunftsmelodei.
 

Oktober 2007

Ernst Stadler (1883 – 1914)

Gratia divinae pietatis adesto savinae de petra dura 
perquam sum facta figura

(Alte Inschrift am Straßburger Münster)

Zuletzt, da alles Werk verrichtet, meinen Gott zu loben,
Hat meine Hand die beiden Frauenbilder aus dem Stein gehoben.
Die eine aufgerichtet, frei und unerschrocken –
Ihr Blick ist Sieg, ihr Schreiten glänzt Frohlocken.
Zu zeigen, wie sie freudig über allem Erdenmühsal throne,
Gab ich ihr Kelch und Kreuzesfahne und die Krone.
Aber meine Seele, Schönheit ferner Kindertage und mein tief verstecktes Leben
Hab ich der Besiegten, der Verstoßenen gegeben.
Und was ich in mir trug an Stille, sanfter Trauer und demütigem Verlangen
Hab ich sehnsüchtig über ihren Kinderleib gehangen:
Die schlanken Hüften ausgebuchtet, die der lockre Gürtel hält,
Die Hügel ihrer Brüste zärtlich aus dem Linnen aus-gewellt,
Ließ ihre Haare über Schultern hin wie einen blon-den Regen fließen,
Liebkoste ihre Hände, die das alte Buch und den zerknickten Schaft umschließen,
Gab ihren schlaffen Armen die gebeugte Schwermut gelber Weizenfelder, die in Julisonne schwellen,
Dem Wandeln ihrer Füße die Musik von Orgeln, die an Sonntagen aus Kirchentüren quellen.
Die süßen Augen mußten eine Binde tragen,
Daß rührender durch dünne Seide wehe ihrer Wim-pern Schlagen.
Und Lieblichkeit der Glieder, die ihr weiches Hemd erfüllt,
Hab ich mit Demut ganz und gar umhüllt,
Daß wunderbar in Gottes Brudernähe
Von Niedrigkeit umglänzt ihr reines Bildnis stehe.
 

September 2007

Alfred Lichtenstein (1889 – 1914)

Der Rauch auf dem Felde

Lene Levi lief am Abend
Trippelnd, mit gerafften Röcken,
Durch die langen, leeren Straßen
Einer Vorstadt.

Und sie sprach verweinte, wehe,
Wirre, wunderliche Worte,
Die der Wind warf, daß sie knallten
Wie die Schoten,

Sich an Bäumen blutig ritzten 
Und verfetzt an Häusern hingen
Und in diesen tauben Straßen 
Einsam starben.

Lene Levi lief, bis alle
Dächer schiefe Mäuler zogen,
Und die Fenster Fratzen schnitten
Und die Schatten

Ganz betrunkne Späße machten – 
Bis die Häuser hilflos wurden
Und die stumme Stadt vergangen
War in weiten

Feldern, die der Mond beschmierte . . .
Lenchen nahm aus ihrer Tasche
Eine Kiste mit Zigarren,
Zog sich weinend

Aus und rauchte . . .
 

August 2007

Ernst Lissauer (1882-1937)

„Feindes-Sprache“

„Du, der die Sprache seiner Feinde spricht!
Du, der mit jedem Laut die Schmach vergibt!
Du, der die Sprache seiner Feinde liebt!
Mit jeder Silbe hältst du dir Gericht!“

Und ob sie mich auch schmähn auf allen Gassen,
Ich kann die deutsche Sprache niemals hassen.
Aus deutscher Sprache ist mein Geist gebaut,
Die fremde Luft wird deutsch von meinem Laut.

Ich bin verbannt,
Nicht aus dem Wort.
Es zieht mit mir –
Mein Land,
Mein Ort.
 

Juli 2007

Ludwig Robert (1778-1832; Pseud. für Liepmann Levin; Bruder Rahel Levin-Varnhagens)

Jude und Christ

Wenn der ein Jud’ ist, der im Mutterleibe
Verdammt schon ward zu niedrem Sklavenstande,
Der ohne Rechte lebt im Vaterlande,
Dem Pöbel, der mit Kot wirft, eine Scheibe,

Dem gar nichts hilft, was er auch tu’ und treibe,
Des Leidenskelch doch voll bleibt bis am Rande,
Verachtungsvoll und schmachvoll bis am Rande –
Dann bin ich Jud’ und weiß auch, daß ich’s bleibe.

Und wenn der Christ ist, der sich streng befleißet,
Sein Erdenkreuz in Demut zu ertragen,
Und die zu lieben, die ihn tödlich hassen,

Glaubend, daß alles, was sein Herz zerreißet,
Der Herr, um ihn zu prüfen, zugelassen –
Dann bin ich Christ! Das darf ich redlich sagen.
 

Juni 2007

Hugo Zuckermann 1881 – 1915 (einer Kriegsverletzung erlegen)

Die neuen Makkabäer

Heute darf ich den Genossen 
Makkabäerlieder sagen,
Weil ich selbst ein Schwert getragen
Und mein rotes Blut vergossen.

Heute keine Siegeslieder,
Heute keine Freudenkerzen –
Beugt euch mit zerriss’nen Herzen
Zur entweihten Erde nieder!

Noch ist nicht die Zeit vollendet,
Noch ist nicht das Land gereinigt,
Noch wird unser Volk gesteinigt,
Unsre Tempel sind geschändet.

Keiner festlich hellen Stuben
Siebenarmig Kerzenschimmern – 
Über Scherben, Schutt und Trümmern
Raufen sich zerlumpte Buben.

In den weihedunklen Schulen
Stampfen die Kosakenrosse,
Nach dem Lied der letzten Posse 
Walzen zwei betrunk’ne Buhlen.

Unter der Granaten Pochen,
Die den Friedhof gut getroffen,
- Alle Gräber gähnen offen – 
Speit die Erde Totenknochen.

Darum keine Siegeslieder,
Darum keine Freudenkerzen – 
Beugt euch mit zerriss’nen Herzen
Zur entweihten Erde nieder!

In die harten Hände pressen
Sollt ihr fest zwei Erdenbrocken!
Meine Rechte werde trocken,
Könnt’ ich deiner je vergessen!

Deiner Seufzer, deiner Tränen,
Deiner Schwären, deiner Schande!
Judenvolk im Polenlande,
In dem Rachen der Hyänen!

Wer ein gutes Schwert kann schwingen,
Wer noch kann die Büchse tragen,
Wer da kann die Trommel schlagen,
Soll den Arm zum Opfer bringen.

Wer die Berge kann bezwingen,
Wen ein flinkes Roß getragen,
Wer sich auf den Mast will wagen,
Soll die Beine uns verdingen.

Eure Künste, euer Streben,
Eure festen Daseinsplätze,
Eure Häuser, eure Schätze
Heischen wir und: euer Leben!

Euer Leben, daß nicht sterbe
Väterart und Vätererbe.
Macht den Tempel wieder rein, 
Laßt uns Makkabäer sein!
 
 

Mai 2007

Theodor Lessing (1872 – 1933; ermordet)

Du bist andre Art
(„Werbung“)

Gib mir die Hand und laß mich dein Auge sehn.
Gingst du allein als Kind, oft im Wald allein?
Liebst du in Nächten schlaflos am Fenster stehn?
Schlaflos der Sterne Schein?

Frau, die ich liebe, kennst du den Hunger gut?
Kennst du den Hunger und alles das Grämen da?
Nagt auch an dir der verschütteten Träume Glut?
Stirbst du auf Golgatha?

Frau, die ich liebe, sprich von der Winterfrist,
Wo ersteht all das zuckende Jugendweh,
Das im Lächeln – ihnen – begraben ist,
Unser totes Kind im Schnee.

Kennst du es nicht, wirst du nimmer mein,
Denn du bist andre Art, und die Stunde kommt,
Wo du verachten wirst, was dir nicht frommt ...
Und ich werd’ schweigen und lächeln und wieder einsam sein.
 

April 2007

Stefan George (1868-1933)

Germanen und Juden

Ihr Äußerste von windumsauster Klippe
Und schneeiger Brache! Ihr von glühender Wüste!
Stammort des Gott-Gespenstes – gleich Entfernte
Von heitrem Meer und Binnen, wo sich Leben
Zu Ende lebt in Welt von Gott und Bild! . . . 
Blond oder schwarz demselben Schoß entsprungne, 
Verkannte Brüder, suchend euch und hassend,
Ihr immer schweifend und drum nie erfüllt!
 

März 2007 

Mathias Acher (Nathan Birnbaum; 1864-1937)

Ihr und ich

Ihr habt mir das Schwert aus den Händen gewunden,
Die Krone gerissen vom Königshaupt,
Ihr habt mir den Rücken krumm gebunden,
Den kecken, den siegenden Blick geraubt!

Ihr habt mich aus einsamer Höhe gestoßen,
In wimmelnde Tiefe hinabgedrängt,
Ihr habt meinen Stolz, den reinen und großen,
In Schmutz und Schlamm und Sumpf ertränkt!

Ihr habt mich gehalten in dumpfen Verließen
Und habt mir gestohlen die jauchzende Welt,
Ihr habt mich betrogen ums Glückgenießen
Und habt mir den Sinn meines Lebens entstellt!

So will ich euch fluchen und will euch hassen!
Doch nein! – Ich entkam ja der Schmach und Not;
Wohl könnt ihr´s in eurem Dünkel nicht fassen,
Wie blutend Leben weiter loht:

Aus meinem Herzen hab’ ich gesogen
Viel sonnige Fäden so fein und fest,
Und hab’ mir daraus zusammengewoben
Ein neues, lauschiges Weltennest.

Aus meinem Geiste hab’ ich geschmiedet
Mir hurtig Krone und Schwert zugleich,
Nun rag’ ich aufrecht und glanzumfriedet
In meinem jungen Gedankenreich.

Und hole aus tiefen Seelenverstecken
Mein Wollen, den zeugenden Sturm, hervor, 
Und lass’ ihn wirbeln und lass’ ihn wecken
Aus Ahnen und Denken die Taten empor! ...

So will ich euch segnen und will euch lieben, 
Soviel und so schwer ihr gesündigt an mir!
Denn ich bin das siegende Opfer geblieben
Und reueverfallene Henker ihr!
 
 

Februar 2007

Ludwig Fulda (1862-1939 Suizid)

Sagt Einer heut auf hohem Rednerpult
Mit etwas Zungenkunst und Spiegelfechten:
„Die Müllerknechte sind an Allem schuld,
An allem Schädlichen und allem Schlechten“,
Und wiederholt im Lande weit und breit
Den gleichen Satz mit kühler Überlegung,
Dann haben wir äußerst kurzer Zeit
Die große Anti-Müllerknecht-Bewegung.
 

Januar 2007

Max Nordau (Pseud. für Max Simon Südfeld), 1849-1923 

Dem Antisemiten

Wie den köstlichsten Wein zu Essigsäure
Vergiftet das faulige, kahmige Faß,
So die christliche Liebe verderbet eure
Modrige Seele zu christlichem Haß.

Des Heilands wollen nun wir gedenken,
Da ihr ihn vergesst in heidnischer Wuth,
Und Mitleid auch und Verzeihung schenken
Sprechend: Ihr wisst nicht, was ihr thut!“
 

Dezember 2006

Günther Walling (1839-1896; Karl Fr. Ulrici)

Den Brüdern in Christo (1893)

Sie haben unsre Schlachten mitgeschlagen,
Sie haben unsre Siege miterrungen,
Und dennoch schmäht Ihr sie mit Lästerzungen;
Weshalb? – Weil sie den Namen Juden tragen.

Sie haben mitgeweint bei unserm Klagen,
Sie haben laut ihr Freudenlied gesungen,
Als wir errangen Ruhm und Huldigungen;
Deutsch, wie ihr Wort, war ihres Herzens Schlagen.

Und nun, da Deutschland groß und neu geeinigt,
Ist Euer Dank und Euer christlich Lieben,
Daß laut Ihr ruft: „Die Juden kreuzigt, steinigt.“

Ein Brandmahl habt in eitler Sinnumnachtung
Ihr auf die Heuchlerstirn Euch selbst geschrieben;
Nur ein Gefühl bleibt mir für Euch: Verachtung!
 

November 2006

E. Henle (Pseud. für Elise Levi, geb. Henle, 1832-1892) 

Was ich davon halte?

Der Antisemitismus ist – 
Sie fragen, was  i ch  davon halte –
Ein Rückschritt, der nach Jahrhunderten mißt,
Die Rohheit wecket, die alte.
Er ist eine Schande für unsre Zeit,
Ein Auswuchs und häßliches Mal;
Ich sehe ihn wachsen und seh´ es mit Leid,
Daß möglich ein solcher Skandal.
Dort, wo er begonnen, dort müsse er enden, 
Ich klage die Obersten an,
Sie hatten die Macht, das Unheil zu wenden,
Und  s i e   gaben frei ihm die Bahn.
Nun wälzt sich, verheerend der gräßliche Brand,
Geschürt von dunkelen Männern,
Durch Deutschlands Gauen von Land zu Land,
Geschützt von heimlichen Gönnern.
Und so wird es bleiben noch endlose Zeit
Trotz eifrigen, mühsamen Strebens, 
Und nimmer wird enden des Judenvolks Leid,
Denn  h i e r   kämpfen Götter vergebens.
 

Oktober 2006

Nikolaus Lenau (Pseud. für Niembsch Edler von Strehlenau, 1802-1850)

Der arme Jude 

Armer Jude, der du wandeln
Mußt von Dorf zu Dorf hausierend,
Schlecht genährt und bitter frierend,
Allwärts rufend: „Nichts zu handeln?!“

Holt die Seuche Mann und Frauen,
Ziehst du nach auf ihrer Fährte,
Und die Kleider, die sie leerte,
Schleppst du fort, dir darf nicht grauen.

Auf dem Baume krächzt der Rabe,
Hunde zerren dich am Rocke,
Schneegestöber Flock an Flocke. 
Fleißig wanderst du am Stabe.

Ein Jerusalem, papieren,
Bauen deine Stammgenossen,
Doch für dich ist es verschlossen,
Wandern mußt du, darben, frieren. 

Jene haben’s hoch getrieben,
Du verschacherst alte Kleider;
Aber alle seid ihr leider
Ein geknicktes Volk geblieben.
 
 

September 2006

Heinrich Heine (1797-1856)

Doña Clara

         In dem abendlichen Garten
         Wandelt des Alkaden Tochter;
         Pauken- und Drommetenjubel
         Klingt herunter von dem Schlosse.

         ›Lästig werden mir die Tänze
          Und die süßen Schmeichelworte,
          Und die Ritter, die so zierlich
          Mich vergleichen mit der Sonne.

           Überlästig wird mir alles,
           Seit ich sah, beim Strahl des Mondes
           Jenen Ritter, dessen Laute
           Nächtens mich ans Fenster lockte.

           Wie er stand so schlank und mutig,
           Und die Augen leuchtend schossen
           Aus dem edelblassen Antlitz,
           Glich er wahrlich Sankt Georgen.‹

           Also dachte Doña Clara,
           Und sie schaute auf den Boden;
           Wie sie aufblickt, steht der schöne,
           Unbekannte Ritter vor ihr.

           Händedrückend, liebeflüsternd
           Wandeln sie umher im Mondschein.
           Und der Zephir schmeichelt freundlich,
           Märchenartig grüßen Rosen.

           Märchenartig grüßen Rosen,
           Und sie glühn wie Liebesboten. -
           »Aber sage mir, Geliebte,
            Warum du so plötzlich rot wirst?«

             »Mücken stachen mich, Geliebter,
             Und die Mücken sind, im Sommer,
             Mir so tief verhaßt, als wären's
             Langenas'ge Judenrotten.«

             »Laß die Mücken und die Juden«,
             Spricht der Ritter, freundlich kosend.
             Von den Mandelbäumen fallen
             Tausend weiße Blütenflocken.

             Tausend weiße Blütenflocken
             Haben ihren Duft ergossen. -
             »Aber sage mir, Geliebte,
             Ist dein Herz mir ganz gewogen?«

             »Ja, ich liebe dich, Geliebter,
             Bei dem Heiland sei's geschworen,
             Den die gottverfluchten Juden
             Boshaft tückisch einst ermordet.«

             »Laß den Heiland und die Juden«,
             Spricht der Ritter, freundlich kosend.
             In der Ferne schwanken traumhaft
             Weiße Lilien, lichtumflossen.

           Weiße Lilien, lichtumflossen,
           Blicken nach den Sternen droben. -
           »Aber sage mir, Geliebte,
           Hast du auch nicht falsch geschworen?«

           »Falsch ist nicht in mir, Geliebter,
           Wie in meiner Brust kein Tropfen
           Blut ist von dem Blut der Mohren
           Und des schmutz'gen Judenvolkes.«

           »Laß die Mohren und die Juden«,
           Spricht der Ritter, freundlich kosend;
           Und nach einer Myrtenlaube
           Führt er die Alkadentochter.

           Mit den weichen Liebesnetzen
           Hat er heimlich sie umflochten;
           Kurze Worte, lange Küsse,
           Und die Herzen überflossen.

           Wie ein schmelzend süßes Brautlied
           Singt die Nachtigall, die holde;
           Wie zum Fackeltanze hüpfen
           Feuerwürmchen auf dem Boden.

           In der Laube wird es stiller,
           Und man hört nur, wie verstohlen,
           Das Geflüster kluger Myrten
           Und der Blumen Atemholen.

           Aber Pauken und Drommeten
           Schallen plötzlich aus dem Schlosse,
           Und erwachend hat sich Clara
           Aus des Ritters Arm gezogen.

           »Horch! da ruft es mich, Geliebter;
            Doch, bevor wir scheiden, sollst du
            Nennen deinen lieben Namen,
            Den du mir so lang verborgen.«

             Und der Ritter, heiter lächelnd,
             Küßt die Finger seiner Doña,
             Küßt die Lippen und die Stirne,
             Und er spricht zuletzt die Worte:

            »Ich, Señora, Eu'r Geliebter,
             Bin der Sohn des vielbelobten,
             Großen, schriftgelehrten Rabbi
             Israel von Saragossa.«
 

August 2006 

Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)

Aus der Ode „An den Kaiser“ (Joseph II.)

Den Priester rufst du wieder zur Jüngerschaft
Des großen Stifters; machest zum Untertan
Den jochbeladenen Landmann; machst den 
Juden zum Menschen. Wer hat es geendet,

Wie du beginnest? Wenn vor des Ackerbau’s
Schweiß nicht für ihn auch triefet des Bauern Stirn,
Pflügt er nicht Eigentum dem Säugling,
Seufzet er mit, wenn von Erntelasten

Der Wagen seufzt: so bürdet Tyrannenrecht
Dem Unterdrückten Landeserhaltung auf,
Dienst, den die blut’ge Faust des Stärkern
Grub in die Tafel. Und die zerschlägst du!

Wen faßt des Mitleids Schauer nicht, wenn er sieht,
Wie unser Pöbel Kanaans Volk entmenscht!
Und tut der’s nicht, weil unsere Fürsten
Sie in zu eiserne Fesseln schmieden?

Du lösest ihnen, Retter, die rostige,
Eng angelegte Fessel vom wunden Arm;
Sie fühlen’s, glauben’s kaum. So lange
Hat’s um die Elenden hergeklirrt.

...
 

Juli 2006

Rudolf Elcho (1839-1923)

An jeden Hetzprediger (1893)

Als Antisemit stehst du eingeschrieben
Und bist doch in Wahrheit ein Antichrist.
Dein Meister gebot dir, den Nächsten zu lieben,
Doch du lehrst, daß hassen verdienstlich ist.
 

Juni 2006

Adolf Baginsky (1843-1918)

Nimmer vermöchte des Pöbels
Hep-Hep-Geschrei mich zu schrecken, 
Mitleid nur mit dem Schreier
Könnte sein Wahn mir erwecken.

Härter trifft den Erzogenen
Gehässiges Trachten und Denken,
Welches den Sinn uns verbitternd
Vom Wohlthun zur Härte will lenken. 

Immer aber beklag´ ich
Das antisemitische Treiben,
Weil mit der Schande der Schaden
Dem bethörten Volke wird bleiben.
 
 

Mai 2006

Friedrich Hebbel (1813-1863)

Der Jude an den Christen

Ich sank zu deinen Füßen bleich und blutend,
Ich zeigte stumm auf die Vergangenheit;
Ich rief, im Sterben selbst mich noch ermutend:
Sei du mein Heiland, jüngste, stolze Zeit!

Du standest still vor mir, mich ernst betrachtend,
Dein Blick, umwölkt zwar, schien doch mitleidsvoll,
So daß mein Herz, bisher verzweifelnd schmachtend,
Zum erstenmal von sanfter Hoffnung schwoll.

Doch ach! Du zähltest schweigend nur die Wunden,
Die langsam mich, bis auf den Kern, zerstört,
Du fandest schaudernd alle unverbunden
Und wandtest dich, im Innersten empört.

Nun prägt mich, allen Zeiten zu beweisen,
Daß mich kein Mensch mehr Bruder nennen kann,
Dein Griffel, Zug um Zug, in Stein und Eisen;
Dann wiederholst du streng den alten Bann.

O, zerr es nur aus dunklem Tabernakel
Hervor, mein Bild, zerrissen und entstellt;
O, stell es nur mit jedem seiner Makel
Im Glanz der Sonne auf vor aller Welt!

Was war in eurer Märt’rer Leib zu lesen,
Wenn man zerfetzt hervor sie stieß an Licht?
Doch nur, wie hart die Folterbank gewesen –
Für Sünden hielt man ihre Wunden nicht!
 
 

April 2006

Gabriel Riesser (1806-1863)

Die Thora
(„Hagbaha“)

Dies ist die Thora, dies das Wort,
Das Gott uns hat gegeben,
Daß wir’s bewahren fort und fort
Und tragen durch das Leben.
 Dies ist das himmlische Panier,
 Um das wir mutig stritten,
 Und tausend Tode haben wir
 Um dies Panier gelitten.

Gott, unser König, Gott der Macht!
Du gabst es unsern Ahnen,
Verloren haben wir die Schlacht,
Doch hier sind unsere Fahnen.
 Wohl mancher ward, in sie gehüllt,
 Den Flammen übergeben,
 Wohl mancher ließ auf diesem Schild
 Durchbohrt sein tapf’res Leben.

Der Feind schoß Pfeile, Feuer, Gift
In nie gestilltem Streite,
Wir retteten die Gottesschrift,
Sonst alles ward zur Beute.
 Drum heben wir sie freudig auf,
 Wir dürfen kühn sie zeigen,
 Sie ist gekauft um hohen Kauf,
 Um hohen Kauf uns eigen.

Die Kämpfer ruh’n, doch würden sie
Je wieder uns erreichen,
Sie sollen’s finden, daß wir nie 
Von unsern Fahnen weichen.
 

„Hagbaha“ (hebräisch): das Emporheben der Thorarolle am Schlusse der Vorlesung.
 
 
 

März 2006

Heinrich Heine (1797-1856)

Der tausendjährige Schmerz

Brich aus in lauten Klagen,
Du düstres Märtyrerlied,
Das ich so lang’ getragen
Im flammenstillen Gemüt!

Es dringt in alle Ohren,
Und durch die Ohren ins Herz;
Ich habe gewaltig beschworen
Den tausendjährigen Schmerz.

Es weinen die Großen und Kleinen,
Sogar die kalten Herrn,
Die Frauen und Blumen weinen,
Es weinen am Himmel die Stern’.

Und alle die Tränen fließen
Nach Süden im stillen Verein,
Sie fließen und ergießen
Sich all’ in den Jordan hinein.
 
 

Februar 2006

Adalbert von Chamisso (1781-1838)

Die Sonne bringt es an den Tag

    Gemächlich in der Werkstatt saß
    Zum Frühtrunk Meister Nikolas,
    Die junge Hausfrau schenkt' ihm ein,
    Es war im heitern Sonnenschein. -
        Die Sonne bringt es an den Tag.

    Die Sonne blinkt von der Schale Rand,
    Malt zitternde Kringeln an die Wand,
    Und wie den Schein er ins Auge faßt,
    So spricht er für sich, indem er erblaßt:
        »Du bringst es doch nicht an den Tag.«

»Wer nicht? was nicht?« die Frau fragt gleich,
»Was stierst du so an? was wirst du so bleich?«
    Und er darauf: »Sei still, nur still;
    Ich's doch nicht sagen kann, noch will.
        Die Sonne bringt's nicht an den Tag.«

    Die Frau nur dringender forscht und fragt,
    Mit Schmeicheln ihn und Hadern plagt,
    Mit süßem und mit bitterm Wort,
    Sie fragt und plagt ihn fort und fort:
    »Was bringt die Sonne nicht an den Tag?«

»Nein, nimmermehr!« - »Du sagst es mir noch.«
»Ich sag es nicht.« - »Du sagst es mir doch.« -
    Da ward zuletzt er müd und schwach,
    Und gab der Ungestümen nach. -
        Die Sonne bringt es an den Tag.

»Auf der Wanderschaft, 's sind zwanzig Jahr,
    Da traf es mich einst gar sonderbar,
Ich hatt nicht Geld, nicht Ranzen, noch Schuh',
    War hungrig und durstig und zornig dazu. -
        Die Sonne bringt's nicht an den Tag.

      Da kam mir just ein Jud in die Quer,
    Ringsher war's still und menschenleer:
    Du hilfst mir, Hund, aus meiner Not;
    Den Beutel her, sonst schlag ich dich tot!
        Die Sonne bringt's nicht an den Tag. 

Und er: Vergieße nicht mein Blut,
    Acht Pfennige sind mein ganzes Gut!
    Ich glaubt ihm nicht, und fiel ihn an;
    Er war ein alter, schwacher Mann -
        Die Sonne bringt's nicht an den Tag.

    So rücklings lag er blutend da,
    Sein brechendes Aug in die Sonne sah;
    Noch hob er zuckend die Hand empor,
    Noch schrie er röchelnd mir ins Ohr:
        Die Sonne bringt es an den Tag.

 Ich macht ihn schnell noch vollends stumm,
    Und kehrt ihm die Taschen um und um:
    Acht Pfenn'ge, das war das ganze Geld.
    Ich scharrt ihn ein auf selbigem Feld -
        Die Sonne bringt's nicht an den Tag.

    Dann zog ich weit und weiter hinaus,
    Kam hier ins Land, bin jetzt zu Haus. -
    Du weißt nun meine Heimlichkeit,
    So halte den Mund und sei gescheit;
        Die Sonne bringt's nicht an den Tag.

Wann aber sie so flimmernd scheint,
    Ich merk es wohl, was sie da meint,
    Wie sie sich müht und sich erbost, -
    Du, schau nicht hin, und sei getrost:
        Sie bringt es doch nicht an den Tag.«

    So hatte die Sonn eine Zunge nun,
    Der Frauen Zungen ja nimmer ruhn. -
    Gevatterin, um Jesus Christ!
   Laßt Euch nicht merken, was Ihr nun wißt. -
        Nun bringt's die Sonne an den Tag.

    Die Raben ziehen krächzend zumal
    Nach dem Hochgericht, zu halten ihr Mahl.
    Wen flechten sie aufs Rad zur Stund?
    Was hat er getan? wie ward es kund?
        Die Sonne bracht es an den Tag.
 

Januar 2006

Gottfried Keller (1819-1890)

Die öffentlichen Verleumder

Ein Ungeziefer ruht
In Staub und trocknem Schlamme
Verborgen, wie die Flamme
In leichter Asche tut.
Ein Regen, Windeshauch
Erweckt das schlimme Leben,
Und aus dem Nichts erheben
Sich Seuche, Glut und Rauch.

Aus dunkler Höhle fährt
Ein Schächer, um zu schweifen,
Nach Beuteln möcht’ er greifen
Und findet bessern Wert:
Er findet einen Streit
Um nichts, ein irres Wissen,
Ein Banner, das zerrissen,
Ein Volk in Blödigkeit.

Er findet, wo er geht,
Die Leere dürft’ger Zeiten,
Da kann er schamlos schreiten,
Nun wird er ein Prophet;
Auf einen Kehricht stellt
Er seine Schelmenfüße
Und zischelt seine Grüße
In die verblüffte Welt.

Gehüllt in Niedertracht
Gleichwie in eine Wolke,
Ein Lügner vor dem Volke,
Ragt bald er groß an Macht
Mit seiner Helfer Zahl,
Die hoch und niedrig stehend, 
Gelegenheit erspähend,
Sich bieten seiner Wahl.

Sie teilen aus sein Wort,
Wie einst die Gottesboten
Getan mit den fünf Broten,
Das klecket fort und fort!
Erst log allein der Hund,
Nun lügen über tausend;
Und wie ein Sturm erbrausend,
So wuchert jetzt sein Pfund.

Hoch schießt empor die Saat,
Verwandelt sind die Lande,
Die Menge lebt in Schande
Und lacht der Schofeltat!
Jetzt hat sich auch erwahrt,
Was erstlich war erfunden: 
Die Guten sind verschwunden,
Die Schlechten stehn geschart!

Wenn einstmals diese Not
Lang wie ein Eis gebrochen,
Dann wird davon gesprochen,
Wie von dem schwarzen Tod
Und einen Strohmann baun
Die Kinder auf der Heide
Zu brennen Lust aus Leide
Und Licht aus altem Grau’n.
 
 

Dezember 2005

Martina Janssen (1971) 

Zion relectured1
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Autorin) 

„Rauch bist du, meine Tochter, 
Rauch bist du, 
deine Augen sind Nebel. 
Dreh dich um, Nebel-Tochter, 
Dreh dich um, dreh dich um, 
daß du mich siehst.“ 

„Nebel bist du, DU, 
fern 
und dein Name ist Rauch. 
Ich lief dir nach, und ich sank zu Boden. 
Ich suchte dich, und ich wurde blind. 
Ich rief dich, und du gabst keine Antwort.“ 

„In das Erstarren tanz, erhebe dich, 
in das Verstummen spiel, werde licht, 
stimm an zu neuem Lied, 
Nebel-Tochter Sulamith.“ 

1) Vgl. Hld 1,15-16; 7,1; 1,15-16; 5,6; Jes 60,1. 
 
 

November 2005

Edwin Bormann 1851-1912)

Kinderscene (1893)

Morgen zum Geburtstagsfeste
Lädt sich Käthchen kleine Gäste:
Anni Hoffmann, Suse Beyer,
Minchen Walther, Doris Schreier,
Evchen Müller, Elsa Strauch –
„Kommt den das Rebekkchen auch?“ –
„Was, Rebekka Silberstein?!
Juden lad´ ich niemals ein.
Gabst du in der Schul´ nicht Acht,
Daß sie Jesum todt gemacht?“ –
„Unser Lehrer meint das, ja; 
Doch es sagt mir die Mama
(Und die weiß doch vielerlei):
Silberstein´s war´n nicht dabei!“

Schlichte Kinderseele du,
All mein Herz es lacht dir zu.
Besser wär´s um sie bestellt,
Zöge siegreich durch die Welt
Deine Friedensmelodei:
„Silberstein´s war´n nicht dabei!“
 

Oktober 2005

Julius Stettenheim (1831-1916)

Im Concert (1893)

Du bist wie eine Blume, -
Ein wundervoller Text,
Das ist das Lied der Lieder,
Das hat mich schier behext!

Ich finde auf dem Programme
Des Dichters Namen nicht,
Es ist gewiß von Goethe,
So deutsch, so tief, so schlicht.

„Das Liedchen ist von Heine.“
Ein Jude machte das Lied?
Jetzt find’  ich’s ganz abscheulich,
Ich bin Antisemit.
 

September 2005

Theodor Fontane (1819-1898)

An meinem Fünfundsiebzigsten
(Prähistorischer Adel)

Hundert Briefe sind angekommen,
Ich war vor Freude wie benommen,
Nur etwas verwundert über die Namen
Und über die Plätze, woher sie kamen.

Ich dachte, von Eitelkeit eingesungen:
Du bist der Mann der „Wanderungen“,
Du bist der Mann der märk´schen Gedichte,
Du bist der Mann der märk´schen Geschichte,
Du bist der Mann des alten Fritzen
Und derer, die mit ihm bei Tafel sitzen,
Einige plaudernd, andere stumm,
Erst in Sanssouci, dann in Elysium;
Du bist der Mann der Jagow und Lochow,
Der Stechow und Bredow, der Quitzow und Rochow,
Du kanntest keine größeren Meriten
Als die von Schwerin und vom alten Zieten,
Du fandest in der Welt nichts so zu rühmen
Als Oppen und Groeben und Kracht und Thümen;
An der Schlachten und meiner Begeisterung Spitze
Marschierten die Pfuels und Itzenplitze,
Marschierten aus Uckermark, Havelland, Barnim
Die Ribbecks und Kattes, die Bülow und Arnim,
Marschierten die Treskows und Schlieffen und Schlieben –
Und über alle hab´ ich geschrieben.

Aber die zum Jubeltag kamen, 
Das waren doch sehr, sehr andre Namen,
Auch „sans peur et reproche“, ohne Furcht und Tadel,
Aber fast schon von prähistorischem Adel:
Die auf „berg“ und auf „heim“ sind gar nicht zu fassen,
Sie stürmen ein in ganzen Massen,
Meyers kommen in Bataillonen,
Auch Pollacks und die noch östlicher wohnen;
Abram, Isack, Israel,
Alle Patriarchen sind zur Stell,
Stellen mich freundlich an ihre Spitze,
Was sollen mir da noch die Itzenplitze!
Jedem bin ich was gewesen,
Alle haben sie mich gelesen,
Alle kannten mich lange schon,
Und das ist die Hauptsache... „Kommen Sie, Cohn!“
 
 

August 2005

Johann Peter Hebel (1760-1826)

Wie heißt des Kaisers Töchterlein?

Ratet aus, ratet ein!
Wie heißt des Kaisers Töchterlein?
Wie heißt das grausame Mädchen?
Einst spann es am blutigen Rädchen,
Einst schürt’ es hell die Flammen an
Zum Menschenbraten lobesan;
Dann zeichnet es rote Stickerei
Auf Judenhaut zu guter Frist;
Anjetzt es eine alte Jungfer ist,
Und doch sind ihm noch Männer treu.

(Antwort: Constitutio Criminalis Carolina; Peinliche Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532)
 
 

Juli 2005

Heinrich Heine (1797-1856)

An Edom!

Ein Jahrtausend schon und länger,
Dulden wir uns brüderlich,
Du, du duldest, daß ich atme,
Daß du rasest, dulde Ich.

Manchmal nur, in dunkeln Zeiten,
Ward dir wunderlich zu Mut, 
Und die liebefrommen Tätzchen
Färbtest du mit meinem Blut!

Jetzt wird unsre Freundschaft fester, 
Und noch täglich nimmt sie zu; 
Denn ich selbst begann zu rasen,
Und ich werde fast wie Du.
 

Juni 2005

Ada Christen 1844-1901 

Ein Jude

                    Das kleine Mützlein
                        In den Nacken gerückt,
                    Die alten Schuhe
                        Bestaubt und geflickt,
                   Das morsche Gewand
                        Beschmutzt und zerknittert,
                   Sein gelbes Gesicht
                        Durchfurcht und verwittert,
                    Die weißen Locken
                       Zerrüttet und wild,
                   Die klugen Augen
                        Versöhnungsmild.....
                    Nur um den Mund
                        Ein lächelnder Zug,
                    Klagt wie viel Schmach
                        Der Greis einst trug -
                    Wie ängstlich lächelnd
                        Und zitternd er
                    Sein Haupt gebeugt
                        Vor Knecht und Herr -
                        - - - -
                   Es wurde Licht! -
                        Er wurde frei -
                    Der Fluch und die Schmach
                        Sie zogen vorbei
                    Von seinem Elend
                        Blieb ihm nur
                    Des Sclavenlächelns
                        Tiefe Spur.
 
 

Mai 2005

Friedrich Hebbel (1813-1863)

Das Korn auf dem Dache

            Der Frühling ist gekommen,
                Doch war der Winter scharf
            Und hat mit weggenommen
                Den nöthigsten Bedarf;
            Die Pflüge bleiben stehen,
                Es fehlt ja an der Saat,
            Und muß auch was geschehen,
                So weiß doch Keiner Rath.

            Da hinkt ein alter Jude
               In weißem Bart durch's Dorf,
            Der kroch aus seiner Bude
                Um etwas Sprock und Torf.
            Er weilt bei jedem Schober
                Und späht und bückt sich oft,
            Und voll ist ihm der Kober,
               Bevor er's noch gehofft.

            Die Arbeit ward ihm sauer,
                Nun will er denn nach Haus,
            Da tritt ein müß'ger Bauer
                Aus seiner Thür heraus.
            Der ruft: Du hast dir Feu'rung
                Gesammelt aus dem Mist,
            So sag' auch, ob der Theurung
                Nicht noch zu wehren ist.

            Der Alte hebt die Blicke,
                Doch bis zum Himmel nicht,
            Dann tickt er mit der Krücke
                Auf's Hüttendach, und spricht:
            »War das nicht eine Aehre,
                Was ich im Stroh dort sah?
            Wenn's nicht die einz'ge wäre,
                So ist die Hülfe nah'!«

            Der Bauer geht zur Leiter
                Und deckt die Hütte ab,
            Er drischt sein Stroh noch weiter,
                Im lust'gen Klipp und Klapp,
            Und als die Körner springen,
                Da folgt ihm Mann für Mann,
           Und das wird so viel bringen,
                Daß Jeder säen kann.
 
 

April 2005

Klabund (Pseud. für Alfred Henschke; 1890 - 1928)

Pogrom

Am Sonntag fällt ein kleines Wort im Dom,
Am Montag rollt es wachsend durch die Gasse,
Am Dienstag spricht man schon vom Rassenhasse,
Am Mittwoch rauscht und raschelt es: Pogrom!

Am Donnerstag weiß man es ganz bestimmt:
Die Juden sind an Rußlands Elend schuldig!
Wir waren nur bis dato zu geduldig.
(Worauf man einige Schlucke Wodka nimmt...)

Der Freitag bringt die rituelle Leiche,
Man stößt den Juden Flüche in die Rippen
Mit festen Messern, daß sie rückwärts kippen.
Die Frauen wirft man in diverse Teiche.

Am Samstag liest man in der »guten« Presse:
Die kleine Rauferei sei schon behoben,
Man müsse Gott und die Regierung loben...
(Denn andernfalls kriegt man eins in die Fresse.)
 

März 2005

Friederike Kempner (1836 –  1904)

Die Judenkirsche.
(Physallis Alkekengi)

                Ein kleines, ernstes Bäumchen
                Streckt seine Zweige aus,
                Es ließ nicht gern sich essen,
                Und Haß war drum sein Los!

                Hellrot sind seine Früchte,
                Die Blüten weiß wie Schnee,
                Es zeuget die Geschichte
                Von Bäumchens Schmerzensweh!
 
 

Februar 2005

Hugo Salus (1866 – 1929)

Der Heimatlose

Was wißt ihr, die ihr Heimat habt,
Vom Heimatwunsch des Heimatlosen!
Mag euch der Schicksalssturm umtosen,
Ach, ihr seid reich und seid begabt!
So arm ihr sein mögt, seid voll Mut,
Kehrt heimwärts, ihr pocht nie vergebens
Am Heimatstor: im Boden ruht
Dort fest der Anker eures Lebens.

Nicht dort ist Heimat, wo in Wehn
Die Mutter euch ins Leben setzte,
Dort, wo als Fluchtstatt noch, als letzte,
Der Kindheitsträume Burgen stehn,
Wo ihr noch Kinder durftet sein,
Eh´ daß ihr mußtet Menschen werden!

Doch weh dem Elenden, dem Haß
Schon seinen Kindheitswahn zerstörte,
Dem nicht ein Häufchen Sand gehörte:
Des Nachbars Kind mißgönnt ihm das!
Der durch sein Blut, der Mutter Wort
Ein andrer schien ringsum den andern,
Ihn stößt die Heimat grausam fort,
Und seine Heimat liegt im Wandern.

Mein Kind, mein Ruh, ich beuge mich
In banger Liebe auf dich nieder;
Dir schließt der Frieden noch die Lider,
Und traumlos schaust du noch um dich.
Doch bald erwachst auch du zum Traum
Und sollst dir deine Heimat gründen:
Dann mögen deine Füßchen Raum
Für ihre Kinderheimat finden.
 

 


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Erstes internationales Diskussionsforum „Gebet“
für Fachwissenschaftler/innen
im Internet eröffnet

Wissenschaftlich-theologischer Austausch online: 
http://www.Ostmeyer.com oder 
http://www.Ostmeyer.com/Diskussion/Gebet.htm

Das Internet-Forum „Gebet“ wurde initiiert von dem Göttinger Neutestamentler, Dr. Karl-Heinrich Ostmeyer. Mit dem interkonfessionellen Diskussionsforum sollen Fachleute aus aller Welt die Möglichkeit erhalten, direkt und über alle Grenzen hinweg miteinander zu kommunizieren. Was sich in den Naturwissenschaften längst bewährt hat, läßt sich nun für die Theologie fruchtbar machen: Ohne zeitlichen Verzug wird an einer gemeinsamen Fragestellung gearbeitet. Auch in der Theologie gehört dieser Form des internationalen wissenschaftlichen Austausches die Zukunft.

Theologinnen und Theologen aus aller Welt sind - unabhängig von ihrer religiösen Bindung - eingeladen, sich an der laufenden Diskussion zum Thema Gebet zu beteiligen. Wer über Zugang zum Internet verfügt, kann

* sich direkt in die laufende Diskussion einschalten, 
* neue Thesen zur Diskussion stellen
* Fragen an Spezialistinnen und Spezialisten richten 
* auf Fragen eingehen
* eigene Beiträge publizieren
* Bücher oder Artikel zum Thema vorstellen oder rezensieren
* einfach lesend den Diskurs verfolgen

Mit dem „Diskussionsforum Gebet“ ist ein Anfang gemacht. Foren zu weiteren theologischen Themen werden nach Bedarf eröffnet.

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Übungen vorangegangener Semester: 

Übung: Einführung in die Umwelt des Neuen Testaments III: Antikpagane Gebete und Gebetstheorien (SomSem 2003)
Martina Janßen und Karl-Heinrich Ostmeyer
Kommentar::
Gegenstand dieser Übung sind antik-pagane Gebete und antike Theorien über das Gebet,
wobei sowohl literarische Hymnen (z.B. Homerische Hymnen) als auch Gebetstexte, die
ihren Sitz in der gelebten Religiosität haben, in den Blick kommen. Neben der Erarbeitung
der notwendigen Quellenkenntnis wird uns vor allem der Vergleich mit neutestamentlichen
Hymnen und Gebetsauffassungen beschäftigen.

Übung: Kommunikation mit Gott und Christus (WiSem 2002/3) 
Kommentar: 
Wie treten Gott und Mensch mit einander in Verbindung? Wird im Neuen Testament zu Christus gebetet? Unterscheidet sich das Gebet Jesu von dem der Gläubigen?
In der Art, mit Gott und Christus zu kommunizieren, spiegelt sich das jeweilige Gottesbild der Betenden. Die Analyse der verschiedenen Gebetsformen des Neuen Testamentes bietet einen Schlüssel zu den Theologien seiner einzelnen Schriften.
In der Übung werden die verbalen und die nonverbalen Formen der Kommunikation mit Gott und Christus im Neuen Testament untersucht. Ein vertieftes Verständnis der sich im Gebet ausdrückenden theologischen Konzeptionen und nicht zuletzt der eigenen Gebetspraxis soll ermöglicht werden. 

Übung:  Gleichnisse und Gleichnistheorien (SomSem 2002)
Kommentar: 
Die einprägsamen Gleichnisse Jesu wirken auf den ersten Blick selbstverständlich. Die Fülle der verschiedenen und nicht selten komplizierten Gleichnistheorien erweckt jedoch einen ganz anderen Eindruck. Kann ein Gleichnis ohne den „richtigen“ hermeneutischen Schlüssel angemes-sen erfaßt werden? Was ist überhaupt ein Gleichnis?
In der Übung werden die wichtigsten Gleichnistheorien seit A. Jülicher vorgestellt. Die Anwen-dung der Theorien auf konkrete neutestamentliche Texte soll deutlich machen, was die unterschiedlichen Interpretationsansätze zu einem tieferen Verständnis der Gleichnisse beizutragen vermögen und wo ihre Grenzen liegen.

Wintersemester 2001/2002: Gebete und Gebetssprache im Neuen Testament und seiner Umwelt
Kommentar: 
Gebete sind Spiegel von Theologie. Wer „traditionell“ betet, bekennt sich damit zu einer Tradition und der sie tragenden Gruppe. Abgrenzung von anderen Gruppen schlägt sich nieder in der Vermeidung ihrer Gebetssprache. Neue Menschen beten anders. Jedes Gebet gibt Auskunft über seine Beterinnen und Beter.
Gebete aus dem Neuen Testament und seiner Umwelt (z.B. Qumran, Josephus) werden untersucht und miteinander verglichen. Die in ihnen zum Ausdruck kommenden theologischen und anthropologische Anschauungen sollen gemeinsam herausgearbeitet werden.
Die Beschäftigung mit Gebeten bietet den Studierenden die Möglichkeit, sich einen Überblick über die Umwelt des Neuen Testaments im allgemeinen und seine verschiedenen theologischen Konzeptionen im besonderen zu verschaffen.

Sommersemester 2001: Das Gebet in den alttestamentlichen Apokryphen, den Pseudepigraphen und in Qumran 
Kommentar: 
Wer betet, lügt nicht. Nirgends offenbart der Mensch sein Innerstes so schonungslos, wie in der Rede zu Gott. Das, was den Menschen existentiell berührt – Freude, Schuld, Verzweiflung –, alles findet seinen Ausdruck im Gebet. In den Worten des Gebets spiegelt sich die Zeit, der das Gebet entstammt. Wer ein Gefühl dafür bekommen möchte, was den unterschiedlichen Gruppen und Individuen zur Zeit Jesu wichtig war, sollte sich mit den Gebeten aus vorneutestamentlicher Zeit befassen. Der Vergleich vorchristlicher jüdischer Gebete mit den in den Evangelien überlieferten Gebeten zeigt, wo Kontinuitäten und wo Spezifika des urchristlichen Betens liegen.
In der Übung werden Gebete aus der nicht in der Biblia Hebraica versammelten frühen jüdischen Literatur gelesen und analysiert. Zu Beginn jeder Sitzung wird eine Einführung in die Schriften stehen, denen die zu besprechenden Gebete entstammen. Den Studierenden soll die Möglichkeit geboten werden, einen Einblick in die Vielfalt der Literatur dieser Zeit zu gewinnen und sich ein solides Grundwissen über die oft vernachlässigten Apokryphen, Pseudepigraphen und Qumrantexte anzueignen.

Wintersemester 2000/2001: Galiläa zur Zeit Jesu
Kommentar: 
Untersucht werden die Lebensbedingungen in (Unter-)Galiläa zur Zeit Jesu. Im Zentrum steht die Zeit von etwa 5 v. bis 35 n.Chr., also die Jahre, in denen Jesus gelebt hat. 
Um die sozio-kulturellen Hintergründe der Verkündigung Jesu und damit seine Verkündigung selbst überhaupt verstehen zu können, ist diese enge Fokussierung notwendig. Nur wenige Jahre und einige Kilometer Unterschied – und man befindet sich in einer anderen Welt. In seiner Vielfalt ist die Umwelt Jesu in etwa vergleichbar dem Deutschland des 20. Jahrhunderts: Es ist ein Unterschied, ob man eine Person in den Jahren 1917, 1927, 1937 oder 1947 und östlich oder westlich von Elbe/Werra bzw. Oder/Neiße verortet.
Politische Strukturen, klimatische und geographische Gegebenheiten und gesellschaftliche Strukturen Galiläas sind zu untersuchen. Jesus ist geprägt durch Ort und Zeit. Das Lokalkolorit spiegelt sich unter anderem in seinen Gleichnissen. Sie sind ohne Kenntnis des genauen zeitlichen und geographischen Hintergrundes kaum angemessen zu erfassen.
Ein Schwerpunkt der Übung wird auf dem ländlichen und städtischen Alltag der „einfachen“ Menschen Galiläas liegen. Familienstrukturen, Arbeit und Freizeit, religiöse Anschauungen, ethische Normen, Sexualmoral, soziale Spannungen, die Haltung gegenüber Römern, Zeloten, Herrscherhaus etc. in Galiläa im ersten Drittel des ersten Jahrhunderts werden zu beschreiben und mit den Verhältnissen vor allem in Judäa und Samarien zu vergleichen sein.
 

Neutestamentliches Proseminar an der Philipps Universität Marburg
VL-Nr.: 05 028 SE
EINFÜHRUNG IN DIE EXEGETISCHEN METHODEN
Ort: AU 112
Zeit: DI 16-19
Beginn: 20.04.2004
LEHR- UND ARBEITSFORMEN:
Stark strukturertes Einführungsseminar; Seminargespräch, Internetkommunikation auch unabhängig von
den Seminarsitzungen
ZIELSETZUNG DES LEHRENDEN:
Das Seminar vermittelt die Befähigung zu eigenständiger, wissenschaftlich reflektierter Auslegung des
Neuen Testamentes. Dazu wird anhand ausgewählter neutestamentlicher Texte in die klassischen Methoden
diachroner (historischer) und synchroner (literaturwissenschaftlicher) Textbetrachtung eingeführt.
Im Anschluss an das Seminar sollen die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten in einer Auslegung eine
neutestamentlichen Textstücks im Rahmen einer Seminararbeit zur Anwendung kommen.
Die Studierenden sollen in die Lage versetzt werden, alle Medien, auch die elektronischen, zur selbständigen
Aneignung von Wissen fruchtbar zu machen.
VORGESEHENE THEMENBEREICHE:
Textkritik, Strukturanalyse, Quellenkritik, Formgeschichte, Überlieferungsgeschichte, Motivgeschichte,
historische Einordnung, Redaktions – und Kompositionskritik u.a., Einführung in die Abfassung schriftlicher
wissenschaftlicher Arbeiten.
ZIELGRUPPE:
Studierende im Grundstudium
ERWARTETE VORKENNTNISSE:
Graecum
MÖGLICHKEITEN DER EINFLUSSNAHME AUF INHALTE UND VERLAUF:
Wünsche zu Schwerpunkten und Arbeitsformen werden nach Absprache berücksichtigt.
ERWARTUNGEN AN DIE MITARBEIT DER STUDIERENDEN:
Erwartungen an die Mitarbeit der Studierenden:
Regelmäßige Teilnahme, Arbeitsaufwand für die Vor- und Nachbereitung (z.B. in Form schriftlicher u.
mündlicher Hausaufgaben): ca. 1 Arbeitstag pro Woche; die Bereitschaft, auch unabhängig von den Sitzungen
mit den anderen Teilnehmer/inne/n (per Email etc.) über Inhalte des Proseminars zu kommunizieren.
BEDINGUNGEN FÜR DIE VERGABE EINES BENOTETEN LEISTUNGSNACHWEISES:
Proseminararbeit
GRUNDLEGENDE LITERATUR:
Novum Testamentum Graece, 27. Auflage; weitere Literatur wird im Laufe der Veranstaltung angegeben.
LITERATUR, DIE FÜR DIE ERSTE SITZUNG ZU LESEN IST:
Bitte bringen Sie Ihr Novum Testamentum Graece zur 1. Sitzung mit.

Sprechstunde: im Anschluss an die Veranstaltungen und n. V.
Telefon: 0551 - 5173616;  Email: Ostmeyer@gmx.de

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NEUES TESTAMENT
VL-Nr.: 05 036 UE
Veranstaltungsart: 
UEBUNG
Name des Lehrenden:
KARL-HEINRICH OSTMEYER
Thema: 
DAS VATERUNSER IM KONTEXT JÜDISCHER GEBETE
Ort: AP 3
Zeit: MO 16-18
Beginn: 26.04.2004
LEHR- UND ARBEITSFORMEN:
Arbeit an frühjüdischen und frühchristlichen Texten, kurze Referate, Seminargespräch,
ZIELSETZUNG DER/DES LEHRENDEN:
Einführung in die Hintergründe und die Entstehungsgeschichte der Versionen des Vaterunsers.
Sensibilisierung für die Frage nach dem spezifisch Christlichen am Vaterunser.
VORGESEHENE THEMENBEREICHE:
Auseinandersetzung mit den Thesen Marc Philonenkos. Nachvollzug seiner Argumentation anhand der
Quellen. Jüdisches Beten, christliches Beten – Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
ZIELGRUPPE:
Studierende aller Semester mit den entsprechenden Sprachkenntnissen.
ERWARTETE VORKENNTNISSE:
Graecum und Hebraicum
MÖGLICHKEITEN DER EINFLUSSNAHME AUF INHALTE UND VERLAUF:
Wünsche und Ideen zu Inhalten und Arbeitsformen sind willkommen.
ERWARTUNGEN AN DIE MITARBEIT DER STUDIERENDEN:
Bereitschaft zur eigenständigen Vorbereitung der Übersetzungen und zu Referaten.
BEDINGUNGEN FÜR DIE VERGABE EINES BENOTETEN LEISTUNGSNACHWEISES:
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GRUNDLEGENDE LITERATUR:
Marc Philonenko, Das Vaterunser. Vom Gebet Jesu zum Gebet der Jünger (UTB 2312), Tübingen 2002.
LITERATUR, DIE FÜR DIE ERSTE SITZUNG ZU LESEN IST:
Vorwort und Einleitung zu M. Philonenko, Das Vaterunser.
 

Seminar in  Leipzig

Gleichnisse und Gleichnistheorien
S/ MNF, RP/ 
2 SWS / 14tgl.
 Fr. 13.30-16.30, Raum: 437
Inhalt:
Die einprägsamen Gleichnisse Jesu wirken auf den ersten Blick selbstverständlich. Die Fülle der verschiedenen und nicht selten komplizierten Gleichnistheorien erweckt jedoch einen ganz anderen Eindruck. Kann ein Gleichnis ohne den "richtigen" hermeneutischen Schlüssel adäquat erfasst werden? Was ist überhaupt ein Gleichnis? Wie lassen sich Gleichnisse heute angemessen vermitteln?
Ziele: In der Übung werden die wichtigsten Gleichnistheorien seit A. Jülicher vorgestellt. Die Anwendung der Theorien auf konkrete neutestamentliche Texte soll deutlich machen, was die unterschiedlichen Interpretationsansätze zu einem tieferen Verständnis der Gleichnisse beizutragen vermögen und wo ihre Grenzen liegen.
Arbeitsformen: Die Auswahl der zu behandelnden Gleichnisse richtet sich nach den Interessen der Teilnehmenden.
Die unterschiedlichen Gleichnistheorien werden im Laufe des Semesters z.T. durch Referate vorgestellt. Jede/jeder sollte sich mit mindestens zwei Ansätzen zur Gleichnisauslegung vertraut machen. In den Sitzungen werden mindestens ein Gleichnis und die dazugehörigen Interpretationen besprochen und diskutiert. 
Literaturhinweise:
Jülicher, A.: Die Gleichnisreden Jesu. 2 Teile in 1 Bd. Darmstadt 1969. Nachdr. d. Ausg. Tübingen 1910.
Jeremias, J.: Die Gleichnisse Jesu. Göttingen, verschiedene Auflagen.
Müller, P. u.a.: Die Gleichnisse Jesu. Ein Studien- und Arbeitsbuch für den Unterricht. Stuttgart 2002.
Erlemann, K.: Gleichnisauslegung. Ein Lehr- und Arbeitsbuch. Tübingen 1999. - Harnisch, W.: Die Gleichniserzählungen Jesu. Eine hermeneutische Einführung. Göttingen 1985.
Weitere Literatur wird bei Sitzungsbeginn bekannt gegeben.
Bemerkungen:
Das Seminar findet 14-täglich statt und erfordert eine intensive Vor- und Nachbereitung der jeweiligen Sitzungen (Arbeitsaufwand: 4 SWS pro Sitzung). Es richtet sich an Studierende ohne Griechischkenntnisse. Scheine können nur Studierende der Studiengänge RP und MNF erhalten.
 

MARBURG

Seminar:  Gleichnisse und Gleichnistheorien (05 232)

SWS 2; Zeit: Mi 11-13; Ort: AU 304; Beginn: 20.10.2004

Inhalt
Dass der historische Jesus Gleichnisse erzählt hat und dass viele seiner
Gleichnisse den Kern seiner Botschaft vom Reich Gottes berühren, ist weitgehend
unumstritten. Im Rahmen der synoptischen Evangelien und ihrer theologischen
Konzeptionen kommt den Gleichnissen eine jeweils eigene Rolle zu.
Der Funktion der Gleichnisse in den einzelnen Evangelien gemeinsam nachzugehen,
ist ein Ziel des Seminars.
Ein weiterer Schwerpunkt wird auf dem Inhalt der Gleichnisse Jesu liegen. Sie
erscheinen auf den ersten Blick oft selbstverständlich. Die Fülle der verschiedenen
und nicht selten komplizierten Gleichnistheorien erweckt jedoch einen
ganz anderen Eindruck. Kann ein Gleichnis ohne den „richtigen“ hermeneutischen
Schlüssel adäquat erfasst werden? Was ist überhaupt ein Gleichnis?
In dem Seminar werden die wichtigsten Gleichnistheorien seit A. Jülicher vorgestellt.
Die Anwendung der Theorien auf konkrete Gleichnisse soll deutlich
machen, was die unterschiedlichen Interpretationsansätze zu einem tieferen
Verständnis der Texte, ihres Erzählers und der Tradenten beizutragen vermögen
und wo die Grenzen der jeweiligen Gleichnistheorien liegen.
Erwartet wird die intensive Beschäftigung mit mindestens einem Auslegungsansatz
und dessen Übertragung auf die in den Sitzungen jeweils behandelten
Gleichnisse.
Voraussetzung: Griechischkenntnisse
Bei der Auswahl der Gleichnisse finden die Interessen der Teilnehmenden
Berücksichtigung.
Literatur
Erlemann, Kurt: Gleichnisauslegung. Ein Lehr- und Arbeitsbuch (UTB 2093).
Tübingen 1999.
 

ÜBUNG:  Einführung in das Neuhebräische (Ivrit)

Ort: AU 306; Zeit: DO 14-16 UHR; Beginn: 21.10.2004;

LEHR- UND ARBEITSFORMEN:
Mündliche und schriftliche Übungen. Lektüre einfacher unpunktierter Texte. Praktisches Einüben von
Standardsituationen des israelischen Alltags. Hausaufgaben.
ZIELSETZUNG DER/DES LEHRENDEN:
Befähigung, einfache unpunktierte Texte zu lesen und zu verfassen und sich in Israel verständlich zu
machen. Kulturelle Kompetenz.
VORGESEHENE THEMENBEREICHE:
Hebräische Kursivschrift, Lektüre unpunktierter Texte, Grundlagen der Grammatik, Alltagskonversation.
ZIELGRUPPE:
keine Beschränkungen
ERWARTETE VORKENNTNISSE:
-
MÖGLICHKEITEN DER EINFLUSSNAHME AUF INHALTE UND VERLAUF:
Jederzeit.
ERWARTUNGEN AN DIE MITARBEIT DER STUDIERENDEN:
Die Veranstaltung lebt vom Engagement der Teilnehmenden. Um von einem Sprachkurs zu
profitieren, ist eine regelmäßige intensive Vor- und Nachbereitung der einzelnen Sitzungen
erforderlich.
BEDINGUNGEN FÜR DIE VERGABE EINES BENOTETEN LEISTUNGSNACHWEISES:
-
GRUNDLEGENDE LITERATUR:
Wird in der ersten Sitzung besprochen und richtet sich nach Wünschen und eventuellen Vorkenntinissen
der Teilnehmenden.
 

LEIPZIG

Vorlesung: Neutestamentliche Zeitgeschichte

Zeit:   Mo 11.15 – 12.45; Mo 13.30 -  14.15; Dauer:  3 SWS; Zielgruppe:  D, MHF, MNF, RP

Inhalt:
Die Jesusbewegung und das Urchristentum sind nicht im geschichtsfreien Raum entstanden. Die Kenntnis der historischen, sozialen und geistesgeschichtlichen Entwicklungen seit Alexander dem Großen bis hin zum Scheitern des Bar Kochba Aufstandes zu Beginn des 2. Jh. n. Chr. ist eine Voraussetzung für das Verständnis der Schriften des Neuen Testamentes. 
Neben der Darstellung der Gesamtzusammenhänge und der großen historischen Linien des etwa 400 Jahre umgreifenden Zeitraums  liegt ein Schwergewicht der Vorlesung auf den spezifischen politischen, religiösen und ökonomischen Bedingungen in der ersten Hälfte des 1. Jh. n. Chr. und d.h. auf der Lebenszeit und Umwelt Jesu. 
Darüber hinaus werden besondere Akzente auf die Stellung der neutestamentlichen Texte im Kontext der zeitgenössischen (jüdischen) Literatur gesetzt.

Literaturhinweise:
Lohse, E.: Umwelt des Neuen Testamentes. Göttingen 10. durchges. Auflage 2000. (GNT 1).
Reicke, B., Neutestamentliche Zeitgeschichte. Die biblische Welt von 500 v. Chr. bis 100 n. Chr. Berlin 3. verb. Auflage 1982.
Schürer, E., Geschichte des Jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu Christi (3 Bde.). Reprograf. Nachdr. der Ausg. Leipzig, 1901 - 1911. Hildesheim u.a. 1964.
Stambaugh, J. E., Balch, D. L., Das soziale Umfeld des Neuen Testaments, aus d. Amerikan. übers. v. G. Lüdemann. Göttingen 1992. (GNT 9).

Bemerkungen:
Geeignet für Studierende aller Semester und Studiengänge
 

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Neu - außerplanmäßig: 

Seminar für Lehramtsstudierende
Galiläa zur Zeit Jesu

Zeit: Mo 15.00-16.30 Uhr; Ort: Raum 437
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Veranstaltungen im Sommersemester 2005 

MARBURG

Proseminar: Neues Testament

Termin:  Montag  16:00  -  18:00    wöch.;   Beginn : 18.04.2005            Raum :   AU,  112

  Ziel und Inhalt : - Exegetische Methoden und die Geschichte ihrer Entstehung (Textkritik, Strukturanalyse, Quellenkritik, Formgeschichte, Überlieferungsgeschichte, Motivgeschichte, historische Einordnung, Redaktions- und Kompositionskritik u.a., Einführung in die Abfassung schriftlicher wissenschaftlicher Arbeiten). 
- Exemplarische Auslegung ausgewählter Texte in ihrem literarischen und historischen Zusammenhang. Das Seminar befähigt zu eigenständiger, wissenschaftlich reflektierter Exegese des Neuen Testamentes. Dazu wird anhand ausgewählter neutestamentlicher Texte in die klassischen Methoden diachroner (historischer) und synchroner (literaturwissenschaftlicher) Textbetrachtung eingeführt. 
- Im Anschluss an das Seminar sollen die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten in einer Auslegung eines neutestamentlichen Textstücks im Rahmen einer Seminararbeit zur Anwendung kommen. 
- Die Studierenden sollen in die Lage versetzt werden, alle Medien, auch die elektronischen, zur selbständigen Aneignung von Wissen fruchtbar zu machen. 

   Bibliografie : Novum Testamentum Graece, 27. Auflage; weitere Literatur wird im Laufe der Veranstaltung angegeben. 

   Teilnahmevoraussetzung : Graecum, nach Möglichkeit Biblicum (oder gute Bibelkenntnisse) 
 
 

ÜBUNG:  Ivrit für Anfangende und Fortgeschrittene

Raum :   AU,  101; Montag  09:00  -  11:00    wöch.; Beginn : 18.04.2005 

LEHR- UND ARBEITSFORMEN:
Mündliche und schriftliche Übungen. Lektüre einfacher unpunktierter Texte. Praktisches Einüben von
Standardsituationen des israelischen Alltags. Hausaufgaben.
ZIELSETZUNG DER/DES LEHRENDEN:
Befähigung, einfache unpunktierte Texte zu lesen und zu verfassen und sich in Israel verständlich zu
machen. Kulturelle Kompetenz.
VORGESEHENE THEMENBEREICHE:
Hebräische Kursivschrift, Lektüre unpunktierter Texte, Grundlagen der Grammatik, Alltagskonversation.
ZIELGRUPPE:
keine Beschränkungen
ERWARTETE VORKENNTNISSE:
-
MÖGLICHKEITEN DER EINFLUSSNAHME AUF INHALTE UND VERLAUF:
Jederzeit.
ERWARTUNGEN AN DIE MITARBEIT DER STUDIERENDEN:
Die Veranstaltung lebt vom Engagement der Teilnehmenden. Um von einem Sprachkurs zu
profitieren, ist eine regelmäßige intensive Vor- und Nachbereitung der einzelnen Sitzungen
erforderlich.
BEDINGUNGEN FÜR DIE VERGABE EINES BENOTETEN LEISTUNGSNACHWEISES:
-
GRUNDLEGENDE LITERATUR:
Wird in der ersten Sitzung besprochen und richtet sich nach Wünschen und eventuellen Vorkenntinissen
der Teilnehmenden.

Veranstaltungen im Wintersemester 2005/06 in Leipzig
 

Vorlesung

Zentrale Themen des Neuen Testaments (01012011); V/ D, MHF, MNF, RP/

2 SWS; jeweils dreistündig (Fr 11.15-13.30), an folgenden Freitagen: 
14.10.; 28.10.; 19.11.; 26.11; 3.12.; 10.12.; 17.12; 20.01. 27.01.

Inhalt:
Während in einer exegetischen Vorlesung eine neutestamentliche Schrift im Längsschnitt behandelt wird, widmet sich die hier angekündigte Vorlesung querschnittsartig zentralen Themen des Neuen Testamentes als Ganzem. Sie möchte sowohl einen Überblick geben, als auch vertiefend in zentrale Themenbereiche des NT einführen und richtet sich insbesondere an Lehramtsstudiengänge. Zur Sprache kommen sowohl die großen Traditionsbereiche des NT (Jesus - Paulus - Johannes) als auch ausgewählte Themen wie: Neutestamentliche Theologien, Christologien und Pneumatologien; Christentum, Judentum und heidnische Gesellschaft; Taufe und Abendmahl etc.

Literaturhinweise:
- Conzelmann, H./Lindemann, A.: Arbeitsbuch zum Neuen Testament, 13. Auflage. Tübingen 2000. 
- Niebuhr, K.-W. (Hg.): Grundinformation Neues Testament. Göttingen 2000. 
- Schnelle, U.: Einleitung in das Neue Testament, 4., neubearb. Auflage. Göttingen 2002. 
- Stuhlmacher, P.: Biblische Theologie des Neuen Testaments. Band 1 und 2. Göttingen 1997.

Bemerkungen:
Die Vorlesung ist für Studienanfängerinnen und -anfänger geeignet und richtet sich insbesondere an Lehramtstudierende ohne Griechischkenntnisse. Zeitaufwand zur Vor- und Nachbereitung: zwei Stunden.
 

Hauptseminar

Das Vaterunser. Herkunft, Parallelen und Bedeutung (01012012); HS/ MHF, MNF, RP (ohne Griechisch)

2 SWS; jeweils dreistündig (Fr 14.00-16.15),

Inhalt:
Das Vaterunser (VU) wird unumstritten in fast allen christlichen Kirchen und Gruppen als Grundgebet anerkannt. Im Seminar soll nach dem (jesuanischen) Ursprung des VU, seine Position im Kontext antiken jüdischen Betens, nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden der verschiedenen Versionen des VU und nach den Verständnismöglichkeiten des Gebetes und seiner einzelnen Abschnitte gefragt werden. Eine wichtige Rolle spielt die Auseinandersetzung mit den Interpretationsansätzen der letzten zehn Jahre und dabei insbesondere die Frage nach dem spezifisch Christlichen am Vaterunser. Die verschiedenen Ansätze werden von einzelnen Teilnehmer/inne/n vorgestellt und im Rahmen des Seminars verglichen und diskutiert.

Literaturhinweise:
- E. Lohmeyer: Das Vater-Unser. 5., unveränderte Auflage. Göttingen 1962. 
- U. Mell: Gehört das Vater-Unser zur authentischen Jesus-Tradition? (Mt 6,9-13; Lk 11,2-4), in: BThZ, 1994, 148-180. 
- K. Müller: ‘Das Vater-Unser als jüdisches Gebet’, in: A. Gerhards, A. Doeker, P. Ebenbauer (Hg.),: Identität durch Gebet. Zur gemeinschaftsbildenden Funktion institutionalisierten Betens in Judentum und Christentum. Paderborn u.a. 2003, 159-204. 
- Ostmeyer, K.-H.: Das Vaterunser. Gründe für seine Durchsetzung als ‘Urgebet’ der Christenheit, in: NTS 50, 2004, 320-336. 
- M. Philonenko: Das Vaterunser. Vom Gebet Jesu zum Gebet der Jünger (aus dem Französischen übersetzt von Catherine und Karsten Lehmkühler). Mit einem Geleitwort von Martin Hengel. Tübingen 2002.

Bemerkungen:
Zielgruppe des Seminars sind Lehramts - und Magisterstudierende ohne Griechischkenntnisse. Nur sie können Leistungsscheine erwerben. Zeitaufwand zur Vor- und Nachbereitung: zwei Stunden.
 

Wintersemester 2006/07 in Marburg

Ankündigung

Übung: Jesus in Talmud und Haggada

Ziel und Inhalt: 

Die antike und frühmi